Expats & Zuzug
4
Min. Lesezeit

Krankenversicherung Schweiz für Neuankömmlinge: Welche ist Pflicht und wie wählen Sie richtig?

Von
Marc-Antoine Segui
Letzte Aktualisierung
January 5, 2026

Die Schweiz ist bekannt für ihr exzellentes Gesundheitssystem – doch für Neuankömmlinge kann das komplexe Krankenversicherungssystem zunächst überwältigend wirken. Anders als in vielen anderen Ländern gibt es hier keine staatliche Krankenversicherung, sondern eine obligatorische Versicherungspflicht bei privaten Krankenkassen. Wer neu in die Schweiz zieht, muss sich innerhalb von drei Monaten versichern – und steht vor wichtigen Entscheidungen, die langfristige finanzielle Auswirkungen haben.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Krankenversicherung in der Schweiz Pflicht ist, wie das System funktioniert und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, um unnötig hohe Kosten zu vermeiden.

Was ist in der Schweiz obligatorisch?

Die Grundversicherung: Ihre Pflichtversicherung

Jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz muss eine Grundversicherung (auch obligatorische Krankenversicherung oder OKP genannt) abschliessen. Dies gilt unabhängig von Alter, Gesundheitszustand oder Einkommen. Die Grundversicherung deckt die medizinische Grundversorgung ab, die im Krankenversicherungsgesetz (KVG) festgelegt ist.

Was die Grundversicherung abdeckt:

  • Behandlungen beim Hausarzt und bei Spezialisten
  • Spitalaufenthalte in der allgemeinen Abteilung
  • Notfallbehandlungen
  • Verschriebene Medikamente aus der Spezialitätenliste
  • Mutterschaftsleistungen und Vorsorgeuntersuchungen
  • Bestimmte Präventionsmassnahmen

Alle Krankenkassen in der Schweiz bieten dieselben Grundleistungen an – der Leistungskatalog ist gesetzlich vorgeschrieben. Das bedeutet: Ob Sie sich bei der günstigsten oder teuersten Kasse versichern, die medizinischen Leistungen bleiben identisch.

Die 3-Monats-Frist: Darauf müssen Neuankömmlinge achten

Neuankömmlinge haben ab dem Zeitpunkt der Anmeldung bei der Gemeinde drei Monate Zeit, um eine Grundversicherung abzuschliessen. Diese Frist ist verbindlich. Versäumen Sie den Abschluss, werden Sie vom Kanton einer Krankenkasse zugeteilt – oft ohne Berücksichtigung Ihrer individuellen Bedürfnisse oder finanziellen Möglichkeiten.

Wichtig: Die Versicherung gilt rückwirkend ab dem Datum der Anmeldung. Auch wenn Sie erst nach zwei Monaten eine Kasse wählen, müssen Sie die Prämien ab Ihrem ersten Tag in der Schweiz bezahlen.

Wie wählt man die richtige Grundversicherung aus?

Schritt 1: Prämien vergleichen – Sparpotenzial nutzen

Da alle Kassen die gleichen Leistungen bieten, ist der Prämienvergleich der wichtigste Faktor. Die Prämienunterschiede zwischen den günstigsten und teuersten Anbietern können in der gleichen Region mehrere hundert Franken pro Jahr betragen.

Die Prämienhöhe hängt von drei Faktoren ab:

  1. Wohnkanton und Region: Jeder Kanton hat unterschiedliche Prämien, und innerhalb des Kantons gibt es oft mehrere Prämienregionen
  2. Alter: Kinder, junge Erwachsene (19-25 Jahre) und Erwachsene zahlen unterschiedliche Prämien
  3. Gewähltes Versicherungsmodell: Standardmodell, Hausarztmodell, HMO oder Telmed

Praktischer Tipp: Nutzen Sie Online-Vergleichsportale oder lassen Sie sich von einem unabhängigen Broker beraten, um die günstigsten Anbieter in Ihrer Region zu finden.

Schritt 2: Das passende Versicherungsmodell wählen

Neben dem Standardmodell, bei dem Sie frei wählen können, zu welchem Arzt Sie gehen, gibt es alternative Versicherungsmodelle, die niedrigere Prämien bieten:

Hausarztmodell: Sie verpflichten sich, bei Gesundheitsproblemen zuerst Ihren Hausarzt zu konsultieren, der Sie bei Bedarf an Spezialisten überweist. Prämienersparnis: 10-20%

HMO-Modell: Sie wählen ein Gesundheitszentrum als erste Anlaufstelle. Dort arbeiten mehrere Ärzte zusammen. Prämienersparnis: 15-25%

Telmed-Modell: Vor jedem Arztbesuch (ausser bei Notfällen) kontaktieren Sie eine telefonische Beratung. Prämienersparnis: 10-20%

Für Neuankömmlinge: Wenn Sie noch keinen Hausarzt in der Schweiz haben, kann das Hausarztmodell zunächst unpraktisch sein. Das Telmed-Modell bietet oft einen guten Kompromiss zwischen Flexibilität und Ersparnis.

Schritt 3: Die Franchise strategisch festlegen

Die Franchise ist der Betrag, den Sie selbst zahlen, bevor die Krankenkasse Leistungen übernimmt. In der Schweiz können Sie zwischen verschiedenen Franchisen wählen:

  • Erwachsene: CHF 300 bis CHF 2'500
  • Kinder: CHF 0 bis CHF 600

Faustregel:

  • Niedrige Franchise (CHF 300): Sinnvoll, wenn Sie regelmässig ärztliche Behandlungen benötigen oder chronisch krank sind
  • Hohe Franchise (CHF 2'500): Lohnt sich für gesunde Menschen mit wenigen Arztbesuchen

Zusätzlich zur Franchise zahlen Sie einen Selbstbehalt von 10% der Behandlungskosten (maximal CHF 700 pro Jahr für Erwachsene, CHF 350 für Kinder).

Rechenbeispiel: Wer jährlich nur CHF 500 Gesundheitskosten hat und eine Franchise von CHF 2'500 wählt, spart mehrere hundert Franken an Prämien und zahlt die CHF 500 selbst. Bei einer Franchise von CHF 300 würde man höhere Prämien zahlen und hätte trotzdem Eigenkosten.

Zusatzversicherungen: Optional, aber häufig sinnvoll

Die Grundversicherung deckt zwar die medizinische Grundversorgung ab, lässt aber Lücken bei Komfortleistungen und alternativer Medizin. Hier kommen Zusatzversicherungen ins Spiel – diese sind freiwillig und werden nach privatem Versicherungsrecht angeboten.

Beliebte Zusatzversicherungen

Spitalzusatzversicherung: Halbprivat oder privat versichert im Spital, freie Spitalwahl in der ganzen Schweiz, Chefarztbehandlung

Ambulante Zusatzversicherung: Alternativmedizin (Akupunktur, Homöopathie), Zahnbehandlungen, Brillen und Kontaktlinsen, Fitnessbeiträge

Weltweite Deckung: Wichtig für Reisende und Expats, die häufig ins Ausland reisen

Wichtig für Neuankömmlinge: Bei Zusatzversicherungen prüfen die Kassen Ihren Gesundheitszustand. Vorerkrankungen können zu Ausschlüssen oder Ablehnung führen. Schliessen Sie Zusatzversicherungen idealerweise kurz nach der Einreise ab, wenn Sie noch gesund sind.

Die häufigsten Fehler bei der Krankenkassenwahl

Fehler 1: Nicht vergleichen und bei der erstbesten Kasse bleiben

Viele Neuankömmlinge wählen die erste Krankenkasse, die ihnen empfohlen wird, oder bleiben aus Bequemlichkeit jahrelang beim gleichen Anbieter. Dabei könnten sie mit einem einfachen Wechsel hunderte Franken sparen.

Lösung: Vergleichen Sie jährlich die Prämien. Die Kündigungsfrist für die Grundversicherung ist jeweils der 30. November für einen Wechsel auf den 1. Januar.

Fehler 2: Die falsche Franchise wählen

Eine zu niedrige Franchise bedeutet höhere Prämien ohne Nutzen, eine zu hohe Franchise kann bei unerwarteten Gesundheitskosten teuer werden.

Lösung: Schätzen Sie realistisch ein, wie oft Sie medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Bei Unsicherheit hilft eine Beratung.

Fehler 3: Grundversicherung und Zusatzversicherung verwechseln

Manche glauben, die Grundversicherung decke alle Gesundheitskosten ab, und sind überrascht, wenn Zahnbehandlungen oder alternative Therapien nicht übernommen werden.

Lösung: Informieren Sie sich genau, welche Leistungen im Grundpaket enthalten sind und welche nur über Zusatzversicherungen abgedeckt werden.

Fehler 4: Die 3-Monats-Frist verpassen

Wer die Anmeldefrist versäumt, verliert die freie Wahl der Krankenkasse und wird vom Kanton zugeteilt.

Lösung: Kümmern Sie sich umgehend nach der Einreise um die Krankenversicherung – am besten schon vor der Anmeldung bei der Gemeinde.

Fehler 5: Zusatzversicherungen aufschieben

Gesundheitsprüfungen bei Zusatzversicherungen werden mit zunehmendem Alter und bei Vorerkrankungen schwieriger.

Lösung: Wenn Sie Zusatzversicherungen möchten, schliessen Sie diese möglichst früh ab.

Praktische Tipps für Neuankömmlinge

Tipp 1: Prämienverbilligung beantragen

Personen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen können beim Kanton eine Prämienverbilligung (individuelle Prämienverbilligung, IPV) beantragen. Diese reduziert die monatlichen Krankenkassenkosten erheblich. Die Berechtigung hängt von Einkommen, Vermögen und Familiengrösse ab.

Tipp 2: Unfallversicherung prüfen

Wer mindestens acht Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber arbeitet, ist über den Arbeitgeber unfallversichert. In diesem Fall können Sie die Unfalldeckung aus der Grundversicherung ausschliessen und Prämien sparen.

Tipp 3: Online-Modelle nutzen

Einige Krankenkassen bieten günstigere Online-Tarife an, bei denen die gesamte Kommunikation digital abläuft. Wer bereit ist, auf persönliche Beratung vor Ort zu verzichten, kann zusätzlich sparen.

Tipp 4: Familiensituation berücksichtigen

Für Familien lohnt es sich, verschiedene Franchisen für Eltern und Kinder zu kalkulieren. Kinder benötigen oft mehr medizinische Betreuung, während gesunde Erwachsene von hohen Franchisen profitieren.

Tipp 5: Dokumentieren Sie alles

Bewahren Sie alle Unterlagen zu Ihrer Krankenversicherung, Arztrechnungen und Korrespondenz mit der Krankenkasse sorgfältig auf. Bei Fragen oder Unstimmigkeiten sind diese Dokumente unerlässlich.

Fazit: Die richtige Wahl treffen und langfristig sparen

Die obligatorische Krankenversicherung ist ein zentraler Bestandteil des Lebens in der Schweiz. Für Neuankömmlinge ist es wichtig, die Pflichten und Möglichkeiten zu verstehen, um teure Fehler zu vermeiden. Da alle Krankenkassen die gleichen Grundleistungen bieten, liegt das grösste Sparpotenzial im Prämienvergleich, der Wahl des passenden Versicherungsmodells und der richtigen Franchise.

Wer die 3-Monats-Frist im Blick behält, verschiedene Angebote vergleicht und seine persönliche Situation realistisch einschätzt, kann mehrere hundert bis tausend Franken pro Jahr sparen – bei identischem Versicherungsschutz.

Ein unabhängiger Broker kann Ihnen helfen, die verschiedenen Optionen objektiv zu vergleichen und die beste Lösung für Ihre individuelle Situation zu finden. So starten Sie optimal versichert in Ihr Leben in der Schweiz.

Noch unsicher?
Erhalten Sie eine persönliche Einschätzung von einem unabhängigen Experten. Keine Verpflichtung, nur ehrliche Beratung.
Kostenlose Beratung
Erfahren Sie mehr über unsere Datenschutzrichtlinien.
Thank you! Your submission has been received!
Oops! Something went wrong while submitting the form.